Ergebnis der Schulinspektion 2006

In Niedersachsen gibt es seit Mai 2005 eine Schulinspektion. Sie hat die Aufgabe, an allen Schulen des Landes regelmäßig Schulinspektionen durchzuführen.

 

Das Inspektionsteam bewertet die Arbeit der Schule anhand festgelegter Kriterien, wobei die Benotung von 4 bis 1 erfolgt.

  • 4 bedeutet: sehr gut, eine starke Leistung
  • 3 bedeutet: gut, eine eher starke als schwache Leistung
  • 2 bedeutet: ausreichend, eine eher schwache als starke Leistung
  • 1 bedeutet: mangelhaft, eine schwache Leistung.

 

Während des Schulbesuchs durch das Team finden Unterrichtsbeobachtungen sowie Gespräche mit folgenden Gruppen statt:

  • mit den Lehrkräften
  • mit der Schulleitung
  • mit Eltern und SchülerInnen
  • und mit dem nicht-lehrenden Personal.

 

Darüberhinaus erfolgt ein Schulrundgang unter Beteiligung des Schulträgers.


Das Ergebnis der Schulinspektion wird der Schule in einem schriftlichen Bericht bekannt gegeben:

  • Schuleigenes Curriculum: Note: 3
  • Zielorientierung und Strukturierung im Unterricht: Note: 4
  • Stimmigkeit und Differenzierung: Note: 4
  • Unterstützung eines aktiven Lernprozesses: Note 3
  • Pädagogisches Klima: Note: 4
  • Leistungsanforderungen und Leistungskontrollen: Note: 4
  • Unterstützung der SchülerInnen im Lernprozess: Note: 4
  • Schülerberatung und -betreung: Note: 4
  • Schulklima und Schulleben: Note: 4
  • Eltern- und Schülerbeteiligung: Note: 3
  • Kooperation mit anderen Einrichtungen: Note: 4
  • Führungsverantwortung der Schulleitung: Note 3
  • Verwaltungs- und Ressourcenmanagement: Note: 4
  • Personalentwicklung und Lehrerprofessionalität: Note: 4
  • Ziele u. Strategien der Qualitätssicherung u. -entwicklung: Note: 4

 

Den ausführlichen Bericht über 25 Seiten können Interessierte auf Nachfrage bei uns in der Schule gerne einsehen.

Ergebnis der Schulinspektion 2014

Das Qualitätsprofil von Schulen, das durch die Inspektion entwickelt wurde, stellt sich inhaltlich wie formal 2014 anders da als 2006. 2006 gab es noch die Bewertungen von eins bis vier, 2014 heißt es: Grundlegende Anforderungen werden nicht erfüllt, oder entwickelt, oder eingeführt oder abgesichert. Dadurch ändert sich die Darstellung des Ergebnisses von 2006 zu 2014.

 

Die Inspektoren sagen 2014 über die Montessorischule Stade  folgendes aus:

  1. Die Schulleiterin fördert die Entwicklung der Unterrichtsqualität:       • Die Schulleiterin führt Unterrichtsbesuche mit thematisch schulweit verabredeten Beobachtungsschwerpunkten durch.
    • Die Schulleiterin führt anlassbezogene Unterrichtsbesuche mit Beratung durch.
    • Die Schulleiterin erhält Kenntnisse zur Umsetzung des Curriculums durch die regelmäßigen Teambesprechungen zu Netzthemen und deren Präsentationen, die monatliche Durchsicht der Klassenbücher und das Lesen der Lernentwicklungs-Berichte sowie die Einsichtnahmen in die schriftlichen Arbeiten.
    • Stärken der Montessori Grundschule auf diesen Prozess bezogen:
    – Eine Arbeitsgruppe „Fortbildung“ ist zum aktuellen Entwicklungsschwerpunkt eingerichtet. Sie organisiert Fortbildungen zu verabredeten Themen. 
    – Durch verbindlich eingerichtete Arbeitstage ist ein Zeitfenster für gemeinsame Fortbildungen geschaffen.
    – Kollegiale Hospitationen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität sind in der Fortbildung vom 10.9.2014 verabredet.
    – Ergebnisse der Zusammenarbeit im Rahmen von „Blick über den Zaun“ werden abgeleitet und genutzt.
    – Die Unterrichtsbesuche 2012/2013 wurden in Bezug auf die vorgegebenen Fragestellungen ausgewertet.
    – Das Helfersystem wurde daraufhin im Methodenhaus verankert.
    – Entwicklungsschwerpunkt „Freiarbeit im Schulprogramm“ verankert.
  2. Die Schule steuert über das Schulprogramm ihre Entwicklung
    • Das Leitbild bildet die pädagogische Grundorientierung als Montessori Grundschule ab. (Veröffentlicht: Logbuch, Homepage)
    • Das Leitbild und die Handlungsebenen des Schulprogramms sind strukturell miteinander verknüpft.
    • Zwei Entwicklungsschwerpunkte im Jahr (2014: Freiarbeit und Inklusion)sind in Form von Arbeitsschwerpunkten im aktuellen Schulprogramm dokumentiert.
    • Weitere Entwicklungsvorhaben ergeben sich aus Dienstbesprechungen und Teamsitzungen.
    • Maßnahmepläne  für die jeweiligen Entwicklungsschwerpunkte sind im Schulprogramm durch eine Zeitleiste skizziert.
    • Stärken der Montessori Grundschule  auf diesen Prozess bezogen:
    – Die Werte des Leitbildes haben für die Schulgemeinschaft einen hohen Stellenwert.
    – Die Schule nutzt Ergebnisse der Erstinspektion, der SEIS-Befragungen und weiterer thematischer Befragungen zur Weiterentwicklung (z.B. Methodenhaus, Medien-Konzept, Abschaffung der Hausaufgaben, Logbuch).
    – Verantwortlichkeiten für die Steuerung und Umsetzung von Entwicklungsvorhaben (Schulleitung, Steuergruppe, Computerarbeitsgruppe, Arbeitsgruppe Fortbildung) sind festgelegt.
    – Die Jahresarbeitsschwerpunkte des Schulprogramms werden am Jahresende evaluiert. Das Schulprogramm wird alle 4 Jahre überprüft.
    – Arbeitstage zur Sichtung und Erörterung von Entwicklungsvorhaben finden statt, entsprechende Fortbildungen werden durchgeführt.
  3. Die Schule verbessert ihr schuleigenen Curriculum
    • Die schuleigenen Arbeitspläne sind schulspezifisch/ jahrgangsübergreifend ausgeprägt.
    • Fächerübergreifendes Arbeiten ist durch Netzplanarbeit festgelegt.
    • Das Leitbild und die Schwerpunkte im Schulprogramm sind handlungsleitend für die Entwicklung und Umsetzung von übergreifenden Konzepten.
    • Stärken der Montessori Grundschule auf diesen Prozess bezogen:
    – Die Weiterentwicklung des Methodenkonzepts ist erfolgt. Eine zweijährige Fortbildung zum Methodentraining wurde im Kollegium durchgeführt.
    – Themennetzwerke sind bereits evaluiert und werden regelmäßig der Schulöffentlichkeit präsentiert.
    – Die schuleigenen Projekte, Schulfeiern und vielfältigen Angebote im Ganztagsbereich orientieren sich am Leitbild der Montessoripädagogik.
    – Die Fachkonferenzen schreiben die schuleigenen Arbeitspläne regelmäßig fort.

 

  1. Die Lehrkräfte sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalten ihre Zusammenarbeit aus
    • Neben der erlassgemäßen Gremienarbeit sind Jahrgangsteams, „Flurteams“ und thematische Arbeitsgruppen eingerichtet.
    • Wöchentliche Dienstbesprechungen bilden u.a. die Grundlage für die schulische Zusammenarbeit.
    • Die Zuständigkeiten zur Ausgestaltung des Schullebens sind festgelegt.
    • Eine Steuergruppe, die wöchentlich tagt, ist eingerichtet.
    • Die Jahrgangs- und Flurteams besprechen, planen und evaluieren u.a. die Netzthemen.
    • Die Inhalte der Zusammenarbeit in den thematisch eingerichteten Arbeitsgruppen sind in den Arbeitsvorhaben skizziert.
    • Stärken der Montessori Grundschule auf diesen Prozess bezogen
    – Die eingerichteten Teams arbeiten regelmäßig. Die Termine werden am Anfang des Schuljahres festgelegt.
    – Eine ausgeprägte Kommunikationskultur stärkt die Zusammenarbeit im Kollegium.
    – Verbindlich eingerichtete Arbeitstage und Präsenszeiten werden im Kollegium konstruktiv genutzt und als Entlastung empfunden.
               
  2. Die Schule bewertet die Ergebnisse und Erfolge des Unterrichts und der Bildungsangebote
    • Die Schule erfasst und ermittelt erste qualitätsrelevante Daten und Ergebnisse (z.B. Statistik, Vergleichsarbeiten/Lesen, Schullaufbahnempfehlungen/Schulerfolge und Befragungen zur Zufriedenheit).
    • Eine zusammenfassende Dokumentation entwicklungsrelevanter Daten liegt nicht vor.
    • Die Ergebnisse von schriftlichen Leistungsüberprüfungen werden von der Schulleitung erfasst.
    • Die schulischen Gremien werden zeitnah über einige Ergebnisse und Daten informiert.
    • Die Ergebnisse von Befragungen werden in den Gremien kommuniziert.
    • Stärken der Montessori Grundschule auf diesen Prozess bezogen
    – Die Durchführung von Evaluationen zu aktuellen Entwicklungsvorhaben ist im Schulprogramm angelegt.
    – Das Ergebnis der Erstinspektion wurde zur Weiterentwicklung genutzt (Medienkonzept, Stärkung der Schülermitverantwortung).
    – Aus der durchgeführten SEIS-Befragung wurde die Notwendigkeit der Erweiterung der Methodenkompetenz bei Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern abgeleitet.
    – Fortbildungen wurden geplant, durchgeführt, Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt.
               
  3. Die Schulleiterin fördert die Entwicklung der Organisationsstrukturen und Abläufe
    • Die Lernausgangslage wird für jede Schülerin, jeden Schüler erfasst.
    • Das Verfahren zur Dokumentation ist schuleinheitlich geregelt. Eintragungen erfolgen zweimal jährlich.
    • Maßnahmen zur individuellen Förderung sind in den Förderplänen und im Förderkonzept beschrieben.
    • Stärken der Montessori Grundschule auf diesen Prozess bezogen
    – Die Kommunikationsstrukturen sind bekannt und werden konsequent genutzt und beachtet.
    – Dienstbesprechungen, Fachkonferenzen und anlassbezogene Arbeitsgruppen werden als Gremien zur Schul- und Konzeptentwicklung genutzt.
    – Das schulweit eingeführte Logbuch dient der zielgerichteten Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus.

 

In diesen Punkten sehen die Inspekteurinnen Entwicklungsbedarf bei der Montessori Grundschule:

Zu 1.:

  • Die Unterrichtsbesuche systematisch Kriterien gestützt  auswerten, kommunizieren und für die Unterrichtsentwicklung nutzen.
  • Zufriedenheitsabfragen zu den Unterrichtsbesuchen und Beratungsgesprächen über individuelle Rückmeldungen hinaus durchführen.

Zu 2.:

  • Alle kurz-, mittel- und langfristigen Entwicklungsziele (SMART formulieren) ins Schulprogramm aufnehmen und mit allen Beteiligten abstimmen.
  • Eine Dokumentationsform für die Arbeitsprozesse und Ergebnisse entwickeln.
  • Kriterien gestützte Teilevaluation im Rahmen der Umsetzung der Maßnahmenplanungen und der Konzepte vornehmen.

Zu 3.:

  • Fortschreibung der schuleigenen Arbeitspläne unter den Aspekten Differenzierung und Medienersatz.
  • Förderkonzept unter dem Aspekt der Inklusion weiterentwickeln.

Zu 4.:

  • Die Zusammenarbeit in den multiprofessionellen Teams klären und verankern.
  • Verabredung auf eine kurze und effektive Protokollvorlage für die Teamarbeit.

Zu 5.: 

  • Auswahl schulspezifischer und qualitätsrelevanter Daten und deren Nutzen für die Schulentwicklung klären.
  • Etablierung eines Tagesordnungspunktes „Bilanzierung“ in der Gremienarbeit bzw. Einrichtung einer Bilanzierungskonferenz.

Zu 6.:

  • Regeln für die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams entwickeln und umsetzen.
  • Kriterien für die zielgerichtete Evaluation erarbeiten, abstimmen und anwenden.

Zu 7.:

  • Förderung der einheitlichen Dokumentation schulischer Maßnahmen und Beschlüsse (prozessausgerichtete Protokollstruktur).
  • Ziele und Kriterien festlegen, um Strukturen, Verfahrensabläufe und die Wahrnehmung der Verantwortlichkeiten überprüfen zu können.

  

 

Insgesamt wurde das Ergebnis der Montessori Grundschule Stade mit „ gut“ bewertet.

Evaluierung der Inspektion 2014  durch die Montessori Grundschule Stade                                                                     

 

  1. Die Personen (Inspekteure) prägen durch ihre Persönlichkeit und durch ihre Schulleitungserfahrung maßgeblich das Ergebnis der Inspektion.
  2. Die Inspektion wird von der Schulleitung und dem Kollegium deutlich als drittes Staatsexamen wahrgenommen. Beratung in Dialogform findet nicht statt.
  3. Der Zeitpunkt der Inspektion ist ebenfalls maßgeblich für das Ergebnis der Inspektion. Eine Grundschule, die ihren Unterricht in sechswöchigen Netzthemen plant, zeigt nach den Herbstferien turnusmäßig die Einführungen des neuen Themas. Die Menge der dann zu sehenden Einführungen ist nicht zu kritisieren, sie liegt in der Natur der Sache.
  4. Wenn noch 2006 von Herrn Busemann formuliert wurde: “Die Schulinspektion hält der Schule einen Spiegel vor. Ziel ist es die Schulen anzuregen, ihre eigene Arbeit – insbesondere den Unterricht und die Erziehungsarbeit – selbst regelmäßig zu überprüfen und zu verbessern“, so muss man 2014 sagen, dass offiziell der Unterricht zwar immer noch im Mittelpunkt steht, faktisch aber keine Rolle mehr spielt. Weder die Erziehungsarbeit noch der Unterricht fließen in die Bewertung durch die Inspektion ein. Der Bildungsauftrag steht nicht mehr im Vordergrund sondern formale Qualitäten wie Evaluation und Bilianzkonferenzen, beides Begrifflichkeiten aus dem Wirtschaftsbereich.
  5. Schuleigene Entwicklungen wie z.B. jahrgangsübergreifender Unterricht, die Arbeit mit dem selbsterstellten Logbuch oder die jährlich durchgeführten Hausbesuche bei jedem Kind: das sind für Besucher schwer nachzuvollziehende Prozesse. Auch die Organisation einer teilgebundenen Ganztagsgrundschule ist kompliziert und nicht immer in kürzester Zeit zu verstehen. Aus einer Grundschule mit 15 KollegInnen entsteht plötzlich eine große Schule: eine Referendarin, zwei pädagogische Mitarbeiter, zwei Kräfte für die Essensausgabe, eine Lehrerin für arabischen Unterricht, 13 Vertragskräfte, eine Sprachtherapeutin, eine Feuerwehrkraft, eine Kraft für die Sprachförderung aus BUT, drei Förderschullehrer, eine Jahrespraktikantin und 12 ehrenamtliche Unterrichtshelfer. So wird aus der ursprünglich kleinen Schule eine Organisationseinheit, in der 53 Menschen tätig sind.
  6. Die meiste Zeit verbrachten die Inspekteure mit der Arbeit am Computer: Säulendiagramme, Tortenstücke, … Wenn aber unterrichtliche Vorgänge in die Bewertung der Schule nicht einfließen, ist diese Arbeit überflüssig. Die Zeit wäre gut zu nutzen gewesen, um komplizierte Schulstrukturen zu erfassen, um sie dann zu beurteilen.
  7. Rahmenbedingungen, die von der Schule nicht zu beeinflussen sind, wie z. B. soziales Umfeld, finden keine Berücksichtigung.

 

Fazit:

Die Inspektion in ihrer jetzigen Form stellt eine Fehlersuche dar. Die Fehler werden im Formalen gesucht:

  1. Alle Prozesse müssen evaluiert werden, so auch Sportfest und die Schülerzeitung.
  2. Alle kurz-, mittel- und langfristigen Ziele müssen im Schulprogramm benannt werden. Es reicht nicht, sie an anderer Stelle zu dokumentieren.
  3. Durch die Schulinspektion wird Schulleiterhandeln kontrolliert und Schulleitung zur Kontrolle aufgefordert: „Sie haben zu kontrollieren, ob der Kollege die im Stundenplan entsprechend  ausgewiesene Unterrichtsstunde auch durchführt.“ Die Begründung könnte hier auch sein, dass es immer weniger schulfachliche Dezernenten gibt und die Schulleitungen weitere Aufgaben übernehmen sollen.
  4. Die erste Schulinspektion in Niedersachsen hat gezeigt, dass das Verfahren kein Mittel ist, um bildungspolitische Ansprüche durchzusetzen. Den Schulen, die durch das Raster fielen, konnte nicht geholfen werden: Unterstützungssysteme sind teuer und nur wirksam, wenn sie langfristig anberaumt werden. Deshalb hat sich nun der Arbeitsschwerpunkt der zweiten Inspektion  verlagert: inspiziert wird schwerpunktmäßig Formales: Das ist besser überprüfbar und von den Schulen – mit einigem Einsatz – auch durchführbar. Es gibt kein „durchfallen“ mehr, keine Schule muss nachgeschult werden, keine Schule kann erneut durchfallen: Eine Bilianzkonferenz hier und eine Evaluation dort, dass lässt sich einrichten. Leider hat man dabei gänzlich aus den Augen verloren, dass es um die Bildung von Kindern geht, um Bildungschancen, die die in Deutschland immer noch in ganz erheblichem Umfang von der sozialen Herkunft abhängig sind. Und dabei hilft  laut Inspektion Formales weiter: Ziele smart formulieren, Dokumentationsformen für Ziele und Ergebnisse entwickeln … Welche Ziele formuliert werden wird eher als nachrangig angesehen.